Virtuelle Bilder, grenzenlose Realität
Technologie

Virtuelle Bilder, grenzenlose Realität

Wie CGI den E-Commerce revolutioniert

31.7.2018 Von Anne Remy Lesedauer: 3 Minuten

Der Fall ist recht schnell erklärt: Es gibt Fotos – und es gibt Bilder, die aussehen wie Fotos. Und zwar zweifellos so. Nicht nur auf den ersten Blick, sondern auch, wenn man sie länger anschaut. Dieses hier zum Beispiel:

Fake? Nein. Zauberei? Auch nicht. Was dahinter steckt, heißt CGI und steht für Computer Generated Imagery. Dabei geht es um Bilder, die mithilfe spezieller Daten am Computer erstellt werden und nicht, wie seit Jahrzehnten üblich, mittels klassischer Fotografie.

Im E-Commerce ist CGI eins der ganz großen Themen und gewinnt immer mehr an Relevanz; jetzt und in Zukunft. Und das aus gutem Grund: Wenn man bedenkt, dass ein E-Commerce-Unternehmen wie OTTO aktuell rund 2,8 Millionen Artikel in seinem Shop anbietet, wird schnell klar, wie aufwendig es ist, all diese Produkte professionell zu fotografieren, um den Kunden im Shop möglichst vielsagende Produktbilder präsentieren zu können.

Man müsste diese 2,8 Millionen Artikel in ein Fotostudio oder gar an die schönsten Orte dieser Welt karren, dort eine Hintergrundkulisse aufbauen, einen Fotografen mit gutem Equipment engagieren, von jedem Produkt mindestens 25 Fotos aus vielen verschiedenen Perspektiven machen, sie dann bearbeiten und die besten aussuchen. Und am Ende müsste man alles wieder abbauen, einpacken, wegbringen und das 2,8 Millionen Mal. Mit CGI ist das etwas einfacher.

„Wenn wir beispielsweise ein Sofa in drei Größen und acht Farben anbieten und das Angebot ein halbes Jahr später vielleicht noch um vier Farbtöne ergänzen, können wir dem Kunden mithilfe von CGI schnell und ohne großen Aufwand ermöglichen, sich alle Variationen in dem exakten Farbton und mit jeder denkbaren Oberfläche in einer Vielzahl von Hintergründen anzuschauen“, sagt Tobias Nientiedt, der das CGI-Content Lab bei OTTO leitet. „CGI ermöglicht uns eine schier unendliche Flexibilität, mit der es uns gelingt, die Grenzen der Fotografie zu überwinden. Auch weil wir Produktbilder jederzeit ändern und hinsichtlich Farbe und Größe anpassen können. Das spart Zeit und vor allem Geld.“

Was hier klingen mag wie eine Mischung aus Pixar-Film und „Einsatz in vier Wänden“, basiert im Kern auf Daten, auf sogenannten CAD-Daten. Sobald diese vorliegen, arbeiten Tobias und sein Team ähnlich wie ein klassischer Hersteller. „Einen Sessel zum Beispiel bauen wir genauso auf wie in der Möbelmanufaktur. Nur halt digital“, sagt Tobias.

Um das zu schaffen, produziert das Team auf Grundlage der Konstruktionsdaten zunächst einen Digital Twin, ein exaktes Abbild des Originalprodukts, das dann in 3D visualisiert und jederzeit verändert werden kann. Farbe und Muster, Größe, Oberfläche, Struktur und Hintergrund – CGI macht möglich, was lange nicht möglich war.

Und genau deshalb wird das Thema im E-Commerce in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen: OTTO baut seine CGI-Expertise gerade deutlich aus, investiert aktuell 2,6 Millionen Euro in eine interne CGI-Datenbank und hat in dem Bereich sieben zusätzliche Stellen geschaffen. Mittelfristig wird das Team noch weiter wachsen, mit dem Ziel, bis zum Ende des Geschäftsjahres 21/22 mindestens 70 Prozent des gesamten Möbelsortiments und 35 Prozent aller Artikel im Bereich Haus- und Heimtextil mittels CGI darzustellen.

Und um parallel dazu auch das Thema Augmented Reality weiter zu befeuern - denn für die erweiterte Realität, in der virtuelle Objekte durch die Kameralinse in der echten Welt platziert werden, braucht es vor allem detaillierte 3D-Modelle. „Hier hat OTTO gerade in Zusammenarbeit mit Apple und Google eine App entwickelt, mit der unsere Kunden die Wirkung eines Möbelstücks bereits vor dem Kauf in ihren eigenen vier Wänden testen können“, so Tobias. CGI bildet die Datengrundlage für Augmented Reality, also gleich eine doppelte Chance, den E-Commerce voranzutreiben – „und genau darauf setzen wir.“

Kontakt

Anne Remy
Junior Communications Consultant

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