"Gaming hat die Welt verändert!"
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"Gaming hat die Welt verändert!"

Interview mit Daniel "Budi" Budiman von Rocket Beans TV zur Rolle, die die Gaming-Industrie für die Digitalisierung Deutschlands spielt

11.10.2018 Von Kathrin Wittig Lesedauer: 3 Minuten
Gamer – eine Randgruppe introvertierter Nerds, die 24/7 in dunklen Räumen am PC zocken, ballern und daddeln, isoliert und bestenfalls belächelt vom Rest der Welt … Wer noch immer dieses Bild im Kopf hat, darf jetzt gern weiterlesen. Und alle, die bei dieser Charakterisierung der Gamer, altmodisch Computer-Spieler genannt, empört gezuckt haben, bitte auch.

Denn, Fakt ist: Die Gaming-Industrie boomt. Und zwar ganz gewaltig. Hier gibt es Spieler, die mit riesigen Fan-Gemeinden internationale Superstars sind, Games, die in der Produktion mal eben das Budget eines Hollywood-Blockbusters und mehr verschlingen und auf der anderen Seite Vermarktungsumsätze erzielen, die sich locker mit denen der Fußball-Bundesliga messen lassen. Und natürlich Rocket Beans TV aus Hamburg: den laut eigener Beschreibung „ersten deutschen, unabhängigen und Community-getriebenen 24/7-Websender“, der seit seinem Start im Januar 2015 „jeden Tag geilen Content rund um Gaming, digitale Popkultur und Unterhaltung“ sendet. Einer der Rocket-Beans-Gründer und Moderator verschiedener Formate ist Daniel „Budi“ Budiman. Der 35-Jährige weiß, was die Gaming-Industrie für die Digitalisierung Deutschlands bedeutet:

Budi, warum sind Gamer so wichtig für die digitale Entwicklung Deutschlands?

Jeder von uns ist doch Gamer oder Spieler, egal welches Medium er oder sie dazu nutzt. Und auch egal, wie alt er oder sie ist. Spiele sind - egal ob mit Karten, Figuren, Instrumenten oder rein digital - Systeme mit festgelegten Regeln: Jeder Mitspieler richtet sich nach den entsprechenden Regeln und erfreut sich für den Moment dadurch. Die Suche nach neuen (Spiel-)Regeln liegt uns Menschen inne und das Hinterfragen, das Modifizieren und schlussendlich das Meistern von Regeln gibt uns Indizien, dass wir etwas geschafft haben.

Und was bedeutet das jetzt für die Digitalisierung?

Gamer sind wichtig für die digitale Entwicklung Deutschlands, weil sie im spielerischen, freien Kontext Regelsysteme verstehen, sie oftmals hinterfragen, modifizieren und meistern wollen. Das tun sie bereits seit Jahrzehnten und haben so tendenziell eher Fähigkeiten mit dem Umgang digitaler Systeme als Menschen, die sich diesen bisher eher verschlossen haben.

Sieht man sich mal die sich abzuzeichnenden Veränderungen im Arbeitsmarkt an, stellen Gamer so für mich eher Personen dar, die schneller mit digitalen System agieren können, sie schneller erfassen und somit auch besser an den sich stetig schneller werdenden digitalen Alltag anpassen können …

Also ist der klare Vorteil von Gamern vor allem die schnelle Anpassungsfähigkeit?

Ja, aber nicht nur! Gamer sind auch diejenigen, die sich durch die unfassbar vielfältige Games-Kultur seit Jahrzehnten mit Themen wie sozialen Strukturen im Internet oder auch mit technologischem Fortschritt bei Betriebssystemen, sowie designtechnischen Disziplinen von User Experiences und User Interfaces bis hin zu Performance und Kommunikationstechnologien beschäftigt haben. Gleichzeitig bietet das Umfeld einen weltweiten Markt, dessen Erträge (Spiele) und Technologien messbare Einheiten und somit Maßstäbe für die Entwicklung darstellen.

Und das begeistert dich.

Ja, klar! Ich mag es sehr, einer dieser Gamer zu sein.

Budi Gamer sind wichtig für die digitale Entwicklung Deutschlands!

Budi, Gründer und Moderator, Rocket Beans TV

Was bedeutet die Gaming-Industrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Leider noch nicht sehr viel. Kulturell hat es „dieses Gaming“ hierzulande zwar inzwischen in den Mainstream geschafft, aber dies eher durch den kommerziellen Markt und die entsprechenden End-Produkten beziehungsweise fertigen Spiele. Aus meiner Sicht fehlt es nach wie vor an der Bereitschaft, Videospiele in Gänze als Medium zu verstehen und entsprechend danach zu handeln. Erst dann könnte die nationale Gaming-Industrie auch einen ernsthaften, von Bund geförderten Aufwind erfahren, der die ohnehin schon positiven Absatzzahlen und Firmen-Daten wie Anzahl Mitarbeiter, Standortentwicklung und so weiter hierzulande verbessern würde.

Was muss dazu passieren?

Es macht Sinn, in die eigene (Fort-)Bildung, in eigene Studios, eigene Firmen, eigene Technologien und eigene (kulturell wertvolle) Produkte zu investieren. Das haben viele andere Nationen bereits besser verstanden.

Verändert die Gaming-Industrie unsere Welt? Wenn ja, wie?

Ui, dicke Frage. Ich würde sehr gerne auf sehr viele gute konkrete Beispiele eingehen, aber das würde einfach zu lange dauern.

Event

Beans Jam Mobile

12.10.2018 - 14.10.2018
Ort: OTTO-Campus, Hamburg
Kontakt: Kathrin Wittig

Ein paar reichen …

Von modifizierten Gaming-Grafikkarten, die für die wissenschaftliche Visualisierung von medizinischen Daten und Simulationen genutzt werden über plattform-ökonomische Errungenschaften, ohne die Netflix und Spotify heute nicht wären, vorbei an Augmentierten und Virtuellen Realitäten, bis hin zu Senioren, die durch den gezielten Einsatz von Videospielen ihre Erinnerungsfähigkeiten trainieren … Gaming hat die Welt bereits verändert und ist heute fester Bestandteil der Welt.

Kontakt

Kathrin Wittig
Communications Manager

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